Im Gespräch mit VHH-Mitarbeiterin Anna: Das Gefühl, eine Lebensretterin zu sein

„Ich erinnere mich noch gut an den schönen Sommer 2006. Während andere das tolle Wetter genossen oder ausgelassen die Spiele der Fußball-WM verfolgten, änderte sich mein Leben schlagartig.“

Anna Dohmstreich, Mitarbeiterin bei der VHH, hat das erlebt, wovor vielen Menschen Angst haben: Ein Familienangehöriger wurde schwer krank. Die Erfahrung veränderte Anna nachhaltig – und machte sie jetzt schließlich zur Lebensretterin.

Der Schicksalsschlag, der Annas Leben veränderte

Alles begann im Jahr 2006, Anna war erst 16 Jahre alt. Damals ging es ihrer Mutter plötzlich von Tag zu Tag schlechter. Sie war kraftlos, lag fast den ganzen Tag nur im Bett. Dann wurde Annas Mutter ins Krankenhaus eingeliefert; ihre Blutwerte waren sehr schlecht. Einen Tag später erhielt die Familie die erschütternde Nachricht, dass die Mutter in akuter Lebensgefahr schwebt. Die Diagnose: Leukämie, also Blutkrebs. Die Chemotherapie musste sofort starten. Was mit ihrer Mutter passieren könnte, wenn die Therapie nicht anschlagen würde, darüber wollte Anna nicht nachdenken. „Von einem auf den anderen Tag wurde mir der Boden unter den Füßen weggezogen“, erinnert sich Anna. Als 16-jähriger Teenager musste sie sich damals um ihren 6 Jahre alten Bruder kümmern und komplett den Haushalt organisieren. Hinzu kam noch der Stress in der Schule und der Wunsch, so oft wie möglich ihre Mutter im Krankenhaus zu besuchen. „Es hieß stark sein, für meinen kleinen Bruder und für meine Mutter. Teilweise saß ich im Krankenhaus acht Stunden an ihrem Bett, ohne dass sie es gemerkt hat, weil sie unter starken Schmerzmitteln stand und geschwächt war von der Chemo. Jeden Abend verabschiedete ich mich von ihr mit den Gedanken im Kopf, sie vielleicht das letzte Mal zu sehen“, so Anna.

Das nächste halbe Jahr verbrachte sie voller Angst, ihre Mutter doch an den Krebs zu verlieren. „Ich habe in dieser Zeit eine Menge Menschen im Krankenhaus kennengelernt, die sterben mussten weil sie keinen geeigneten Stammzellspender gefunden haben“, berichtet Anna. Ihre Mutter hatte Glück, denn die vielen Chemotherapien zeigten bei ihr Wirkung. Doch es hätte auch anders kommen können – dann wäre die einzige Hoffnung gewesen, dass sich ein passender Stammzellenspender findet. Sonst hätte Anna wahrscheinlich heute keine Mutter mehr.

Annas Entscheidung, selbst aktiv zu werden

Das Gefühl der Hilflosigkeit und die Angst ihre Mutter zu verlieren, falls die Therapie nicht anschlägt und sich kein geeigneter Stammzellenspender finden würde, hat Anna damals stark geprägt, wie sie sagt. Darum hat sie sich auch dazu entschlossen, sich als Spenderin bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) anzumelden. „Ich bin direkt an meinem 18. Geburtstag zum Blutspenden gegangen und habe mich bei der DKMS registriert.“ Ein wichtiger Schritt für Anna, der ihr das Gefühl gab, aktiv helfen zu können. „Die Anmeldung ist ganz einfach: Man bekommt ein Set zugesandt mit einem persönlichem Fragebogen und dem Registrierungsset. In dem Set ist ein Wattestäbchen mit dem man an seiner Mundschleimhaut einen Abstrich macht, diesen in einen Umschlag steckt und abschickt. Also alles ganz einfach“, strahlt Anna.

„Im Oktober 2013 habe ich dann Post bekommen“, erzählt sie weiter. Die Nachricht war für Anna überraschend: Sie kam tatsächlich als Spenderin für einen todkranken Mann infrage! „Ich war deshalb so überrascht, da die Wahrscheinlichkeit seinen genetischen Zwilling zu finden und als Spender in Frage zu kommen, so gering ist.“ Ob sie auch daran gedacht hat, aus Angst doch nicht zu spenden? „Nicht mal für einen Moment!“, betont Anna. Die Freude über die Chance helfen zu können überwog sofort und ließ keine Zweifel bei ihr aufkommen, dass es das Richtige ist.

Dann ging alles relativ schnell. Anna musste zum Hausarzt um sich Blut abnehmen zu lassen. Anhand ihrer Blutprobe konnte überprüft werden, ob sie als Spenderin und der zukünftige Empfänger auch wirklich in allen wichtigen Punkten übereinstimmen. Einige Tage später bekam Anna dann einen Termin zur ärztlichen Untersuchung in Köln. Hier wurde sie dann nochmals von Kopf bis Fuß untersucht, um alle möglichen Risiken der bevorstehenden Entnahme der Stammzellen für sich und „ihren Patienten“ auszuschließen. Knapp eine Woche später kam die Bestätigung von der Klinik, dass alles in Ordnung sei und die Stammzellenspende wie geplant einige Wochen später stattfinden konnte.

Ein Leben zu retten ist einfacher, als man denkt

Für die Stammzellenspende musste Anna noch einmal nach Köln fahren. Diesmal reiste sie nicht alleine, denn sie hatte Begleitung von dem Menschen, mit dem ihre Geschichte im Jahr 2006 begonnen hatte: ihre Mutter. „Zum Glück konnte mich meine Mama begleiten, denn ich war sehr aufgeregt!“, so Anna. Die Entnahme der Stammzellen sei dann aber eigentlich ganz unkompliziert gewesen, erzählt sie weiter. Sie saß dabei auf einer Art gemütlichem Liegestuhl und wurde an eine Maschine angeschlossen. Am linken Arm wurde ihr hier Blut entnommen, die Maschine filterte die Stammzellen heraus und über den rechten Arm gelangte das Blut dann wieder zurück in Annas Körper. Risiken gab es bei der Entnahme keine, wie sie betont. „Mir wurden zwischendurch Brötchen, Getränke und andere Snacks gebracht und ich durfte mir DVDs anschauen. Die fünf Stunden sind wie im Fluge vergangen, dazwischen durfte ich außerdem auch kleine Pausen machen,“ so Anna.

Die Stammzellenspende war für Anna, die in Schenefeld im VHH-Kundenservice arbeitet, ein wichtiger Schritt. „Ich würde jederzeit wieder spenden, weil es ein wunderbares Gefühl ist, einem Menschen das Leben zu retten oder zumindest Hoffnung zu schenken und sein Leben zu verlängern. Die Vorbereitung und die Spende selbst waren nichts im Verhältnis zu dem, was ein leukämiekranker Mensch durchmachen muss“, wie sie betont. „Ich kann nur jedem empfehlen, sich bei der DKMS zu registrieren. Schließlich bekommt man so die Chance, einem Menschen das Leben zu retten. Und eine Lebensretterin zu sein, fühlt sich wirklich gut an!“, fügt Anna strahlend hinzu.

Plant ihr auch, euch bei der DKMS als Spender registrieren zu lassen? Oder habt ihr es schon gemacht? Erzählt uns davon – wir würden uns über Kommentare freuen!

Eure Angelika

4 Antworten

  1. Leyla sagt:

    Ich freu mich für dich Anna, das du einem Menschn das Leben rette konntest. Es war die schwerste zeit die wir damas hatten als Jungendliche. Ich errinere mich an diese Zeit als wäre es gestern gewesen. Es war nicht nur für dich sonden auch für mich der Horror. Aber sie hat es geschafft und das zählt. Ich wünsche euch alles Gute und ewige Gesundheit

  2. Angelika Schoder sagt:

    Hallo Leyla,

    vielen Dank für die netten Grüße – wir leiten sie gerne an unsere Kollegin weiter.

    Viele Grüße,
    Angelika vom Blog-Team

  3. Lili sagt:

    Hey,Anna ist meine Cousine❤️ Ich bin stolz auf sie,dass sie diese schwere Zeit so gut gemeistert hat.Ich war damals 4 und sie 16.Ohne Anna wäre meine Tante wahrscheinlich Tod Danke Anna❤️

  4. Anna Dohmstreich sagt:

    Hallo Lilli 🙂
    Danke für Deinen lieben Kommentar. Ich würde es jederzeit wieder tun 🙂
    <3

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.