Was hat die VHH mit dem „A-Team“ zu tun?

Ihr kennt sicher noch die 80er-Jahre Serie „Das A-Team“. Auf den ersten Blick gibt es zwischen der Serie und der VHH keine Gemeinsamkeit – oder etwa doch? Im Blogbeitrag erklären wir euch, was wir mit dem „A-Team“ gemeinsam haben.

In der Actionserie „Das A-Team“ geht es um eine Gruppe aus sehr unterschiedlichen Charakteren, die auf den ersten Blick nicht zueinander passen. Aber gerade weil jede Person im Team ganz spezielle Fähigkeiten hat, arbeiten alle perfekt zusammen. Am Ende jeder Folge der Serie haben sie einen Auftrag erfolgreich ausgeführt, was der Chef des Teams jedes Mal mit dem Satz kommentiert: „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert!“.

Auch die VHH kann dank einer neuen Kollegin und eines Kollegen jetzt offiziell als „A-Team“ bezeichnet werden, denn die Mitarbeiter bringen – so wie die Personen in der Serie – ganz verschiedene Fähigkeiten mit, durch die sie unser Team perfekt ergänzen. Das Besondere: Wir sind ein „A-Team“ im wortwörtlichen Sinne, denn das „A“ steht in unserem Fall für Autismus.

Für den Blog haben wir die neuen VHH-Mitarbeiter jetzt zum Interview getroffen. Wir wollten wissen: Was ist Autismus eigentlich?, Wie gefällt es den beiden bei der VHH?, und: Wie klappt die Zusammenarbeit im Team am besten?

Autisten denken anders

„Man kann sich das Gehirn eines Menschen wie einen Computer vorstellen. Die meisten Menschen nutzen ihren Computer so: Sie sortieren wichtige Dateien in verschiedene Ordner und verschieben unwichtige Dateien in den „Papierkorb“. Bei Autisten ist es anders: Ihr Gehirn hat keine Ordner- oder „Papierkorb“-Funktion. Sie können wichtige Eindrücke nicht von unwichtigen unterscheiden. Alle Informationen, die einen Autisten umgeben, sind für ihn gleich wichtig – als würden alle Dateien im Computer durcheinanderliegen.“

Die Beschreibung stammt von unseren neuen Kollegen Nico. Seit dem Frühjahr 2014 ist er bei der VHH und war damit einer der ersten, der uns zu einem „A-Team“ machte. Nico startete zunächst mit einem Praktikum auf dem Betriebshof Bergedorf. Das Praktikum wurde von der Hamburger Arbeitsassistenz begleitet, einem Fachdienst, der sich in der beruflichen Eingliederung von Menschen engagiert, die auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt aus verschiedenen Gründen mit Benachteiligungen zu kämpfen haben. Wichtige Unterstützung kam auch von den autWorkern, einer Genossenschaft autistischer Menschen, die das Ziel hat, die speziellen Fähigkeiten von Autisten in der Arbeitswelt zur Verfügung zu stellen.

Durch die Unterstützung dieser beiden Institutionen und dank unserer Kollegin Christiane, die sich in der VHH-Personalabteilung als Ansprechpartnerin um das Projekt kümmert, wurde Nicos Praktikum ein voller Erfolg. Es lief so gut, dass er im Juni 2014 einen festen Arbeitsvertrag für ein Jahr erhielt und zurzeit für die VHH unter anderem die Fahrgastzahlenauswertung übernimmt. „Ich würde mich freuen, wenn meine Stelle nach dem Jahr verlängert wird. Ich interessiere mich sehr für den ÖPNV und mir gefällt es bei der VHH. Hier kenne ich mittlerweile meine Arbeitsumgebung, kann selbständig arbeiten, habe feste Ansprechpartner und feste Aufgaben“, erzählt Nico. Er spricht damit genau die Dinge an, die für Autisten im Arbeitsalltag besonders wichtig sind.

Die VHH freut sich über die Verstärkung im Team
Die VHH freut sich über die Verstärkung im Team

Autisten haben besondere Stärken

Neben einer festen Zeitstruktur und festen Abläufen ist es für Autisten wichtig, dass sie eine Aufgabe übernehmen, die sie interessiert. Dann können sie sich stundenlang damit beschäftigen. Die kompliziertesten Sachen fallen ihnen leicht, weil sie alles andere um sich herum vergessen. Das bestätigt auch Iwona, die neue Kollegin. Auch sie wurde von den autWorkern zunächst für ein Praktikum bei der VHH vorgeschlagen und ebenso wie bei Nico erhielt sie im Anschluss an ihr Praktikum einen Arbeitsvertrag bei der VHH. Seit Oktober 2014 verstärkt sie nun die Personalabteilung in Schenefeld.

Die Stärken von Autisten sieht Iwona ganz klar darin, dass sie sehr ausgeprägte Interessen haben und sich stark auf eine bestimmte Aufgabe konzentrieren können. „Sie sind dabei sehr auf sich bezogen und haben eine ganz andere Herangehensweise als andere Menschen. Am besten gehen sie Dinge im Alleingang an“, erzählt sie. Doch warum ist das so? Iwona erklärt: „Auf Autisten strömt ihre Umwelt sehr ungefiltert ein. Diesen Überfluss an Eindrücken – dass beispielsweise fernes Vogelgezwitscher genau so stark wahrgenommen wird wie die Stimme eines direkten Gesprächspartners – müssen Autisten für sich ordnen. Sie reagieren auf die Reizüberflutung, indem sie sich nach außen abschirmen und auf sich selbst und eine Aufgabe konzentrieren. Auf die Außenwelt macht das oft den Eindruck, dass sie sich abkapseln.“

Das Verhalten von Autisten ihrer Umwelt gegenüber führt leider oft zu Missverständnissen. Autisten möchten auf keinen Fall unhöflich wirken, ihnen fällt es einfach sehr schwer, zwischenmenschliche Situationen richtig zu bewerten. Sie sind sehr ehrlich und loyal, aber das soziale Miteinander gibt ihnen Rätsel auf. Beispielsweise ist sogenannter „Smalltalk“, also das unverbindliche Reden über alltägliche Kleinigkeiten, für sie nicht nachvollziehbar. Sie sprechen gerne Themen direkt an und das Sachliche steht für sie im Vordergrund. Sie beschäftigen sich gerne mit logischen Sachverhalten und je spannender sie ein Thema finden, umso leichter können sie sich darauf konzentrieren. So gelingt es Autisten besonders gewissenhaft zu arbeiten und schwierige Probleme zu lösen, mit denen sich so manch anderer vergeblich beschäftigen würde.

Die Zukunft der VHH als A-Team

Die neuen Kollegen sind für die VHH eine große Bereicherung in unserem Team. Wenn 2015 das neue Ausbildungsjahr startet, wird daher bei uns auch ein Autist die Ausbildung zum Kaufmann für Verkehrsservice beginnen – die Zusage hat er bereits.

Iwona und Nico wünschen sich, dass auch andere Unternehmen offen für autistische Mitarbeiter werden: „Ich wünsche mir, dass man Fähigkeiten, die auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen, offen begegnet. Es ist auch wichtig, dass es Verständnis dafür gibt, dass Autisten an Aufgaben ganz anders herangehen“, betont Iwona. Nico fügt hinzu: „Es sollte kein Schubladendenken oder Vorurteile geben.“

Die VHH hat als Unternehmen im Jahr 2010 die Charta der Vielfalt unterzeichnet. Zur Vielfalt von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gehört dabei auch, offen für alle Menschen zu sein, die zum Erfolg des Unternehmens beitragen können. Für uns war es daher selbstverständlich, auch für Autisten offen zu sein. Dennoch war es zunächst spannend: Würden sich die autistischen Kollegen bei uns wohl fühlen? Passen sie in unser Team und sind sie den Aufgaben im Arbeitsalltag gewachsen? Unsere Erfahrung hat jedoch schnell gezeigt: Es passt sehr gut!

Linktipps:

  • Iwona hat eine Website, auf der Sie sich mit dem Thema Autismus auseinandersetzt und mit einigen Vorurteilen aufräumt. Wer neugierig ist, schaut auf: autstanding.de
  • Mehr über die autWorker erfahrt ihr unter: autWorker.de
  • Einen Überblick über die Angebote der Hamburger Arbeitsassistenz findet ihr hier: hamburger-arbeitsassistenz.de

Habt Ihr Fragen zum Thema oder direkt an unsere autistischen Kollegen? Hinterlasst uns gerne einen Kommentar.

Eure Angelika

4 Antworten auf „Was hat die VHH mit dem „A-Team“ zu tun?“

  1. Moin,
    vielen Dank! Wir haben in den letzten Monaten ein bisschen experimentiert. Es kommt zwar auf den Inhalt an, aber es soll ja auch gut aussehen – trotz unserem schmalen Budget.
    Viele Grüße, Angelika vom Blog-Team

    1. Vielen Dank!
      Wir hoffen, dass es erfolgreich weitergeht und freuen uns schon auf den Azubi, der im August 2015 bei uns starten wird.
      Viele Grüße, Angelika vom Blog-Team

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