Gastbeitrag: Die letzte Fahrt mit der VHH in Neumünster

Wenn von Lutz Bartoschek die Rede ist, wissen Busfans sofort Bescheid, denn er ist Autor einiger Publikationen rund um den Nahverkehr. In seinem Gastbeitrag für den VHH-Blog schreibt er über die letzte Fahrt mit der VHH in Neumünster an Silvester.


Neumünster, 31.12.2014.

Für die Jahreszeit zu mild, es knallt und blitzt an allen Ecken und die Busse fahren nach dem Samstags-Plan. Also ein Silvester wie jedes andere auch. Aber irgendwas ist anders nach 58 ½ Jahren Neumünsteraner VHH-Geschichte.

„Die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein AG werden demnächst den Stadtverkehr übernehmen und ihn nach modernen Gesichtspunkten aufziehen“,

schrieb damals der Holsteinische Courier, und:

„Damit besteht die Aussicht, daß der Stadtverkehr Neumünster einem leistungsfähigen Unternehmen unterstellt wird, das alles tun wird, um die Wünsche der Fahrgäste aus Neumünster und Umgebung restlos zu erfüllen.“

Man ahnt, dass das, was hier vorher ablief, alles andere als modern und leistungsfähig gewesen war und so gar nicht den Wünschen der Fahrgäste entsprochen hatte…

Die Fahne am Busbetriebshof in Neumünster wird ausgetauscht - statt VHH nun SWN

Die Fahne am Busbetriebshof in Neumünster wird ausgetauscht – statt VHH nun SWN

Und nun, an Silvester 2014, ist Schluss. Die VHH geht wieder! Um 20:30 Uhr stehe ich am ZOB und steige in die Linie 12 nach Padenstedt, Siedlung ein. Kurz vorher ist der Busfahrer vom Abstellplatz gekommen und hat mit Wagen 1437, dem letzten VHH-Bus in Neumünster, den Bussteig A angesteuert. Der Kollege hinter dem Lenkrad ist erst 1 ¼ Jahre in der Firma, für ihn wird die VHH also vermutlich nur eine kurze Episode in seinem Berufsleben sein. Trotzdem ist er der richtige Mann am richtigen Ort und für die Wünsche von Fotografen offen.

Die letzte VHH-Fahrt in Neumünster

Die letzte VHH-Fahrt in Neumünster

Es hat sich herumgesprochen, dass er den letzten Wagen fährt. Die Grüße der entgegenkommenden Kollegen sind fast überschwänglich. Um 20:46 Uhr stellt er Wagen 1437, festlich illuminiert, an den linken Rand der Wendeschleife Padenstedt, Siedlung, etwas ab vom Bordstein – so ist genug Platz für Fotos von vorne rechts. Fahrgäste sind um diese Zeit in Neumünster sowieso nicht mehr zu befürchten… Und die, die wir auf der Hinfahrt an der Einwärts-Haltestelle Wittorf, Mitte gesehen haben, entpuppen sich auf der Rückfahrt als VHH’ler die zum Betriebshof wollen – Abschied feiern.

Auf dem Hof ist man schon aufgeregt. Wir sind erst zwischen den Haltestellen Helmoldstraße und Rügenstraße und liegen sehr gut in der Zeit, da fragt der Leitstellen-Disponent über Funk schon nach dem Standort. Etwas vor der planmäßigen Ankunftszeit 21:05 Uhr sind wir schließlich wieder am Bahnhof. Hier dreht der Busfahrer noch eine Ehrenrunde um das Sozialgebäude und hält dann nochmal am Bussteig B. Es folgen die letzten Fotos von einem Neumünsteraner VHH-Bus „auf Linie“.

Dann geht es zum Betriebshof, wo gut 40 Personen auf den Letzten warten. Standesgemäß wird er beim Passieren der Schranke mit einem kleinen Feuerwerk empfangen. Es entstehen „einige“ Abschiedsfotos mit allem, was heutzutage so zum Bilder machen geeignet ist. Dann fährt der Busfahrer den Wagen nach hinten auf den Abstellplatz. Für ihn ist Schluss für heute, für die VHH Neumünster ist Schluss für immer!

Lutz Bartoschek

Lutz Bartoschek auf dem Betriebshof in Neumünster

Lutz Bartoschek auf dem Betriebshof in Bergedorf


Zum Jahreswechsel hat die VHH den Busbetriebshof in Neumünster an die Stadtwerke übergeben. Im VHH-Blog haben wir darüber bereits berichtet in unserem Beitrag „Die VHH sagt Danke: Neumünster, wir werden euch vermissen!“

Der Beitrag enthält eine Chronik zu Neumünster, die ebenfalls von Lutz Bartoschek stammt. Der Autor war schon sehr häufig für die VHH tätig, so stammt das Heft „Und beinah fuhr die Straßenbahn – 50 Jahre VHH in Neumünster“ genauso aus seiner Feder wie die bebilderte Chronik zum 50-jährigen Jubiläum der VHH in Quickborn oder „75 Jahre Busbetrieb – Von der Stormarner Kreisbahn zur VHH“. Lutz kennt sich aus mit dem Busverkehr in Holstein und schaut in seinen Chroniken nicht nur auf Busse und Linien; er beschreibt auch die Entwicklung der einzelnen Unternehmen und die handelnden Akteure, wie die manchmal umtriebigen und erfinderischen Busunternehmer.

Seine Begeisterung für Busse hat er schon als kleiner „Steppke“ entwickelt:

„Für Busse habe ich mich schon immer interessiert. Meine ersten Erinnerungen reichen zurück bis zu den Mercedes O 321 H der VHH Neumünster, bei denen ich als Kleinkind nicht über das Armaturenbrett blicken konnte und stattdessen durch die unteren Scheiben der Vordertür guckte. Da war ich höchstens drei Jahre alt.“,

sagt Lutz und ergänzt:

„Eigentlich mochte ich die VHH nicht, denn sie hatte zumindest in Neumünster nur Einmannbusse („Selbstkassierer“). Da lobte ich mir meine Geburtsstadt Lübeck. Hier war alles so wie ich mir den Stadtverkehr vorstellte: Mercedes O 317 mit Schaffner, teilweise als Gelenkbus.“

Die ersten türkisfarbenen SWN-Busse ergänzen den roten VHH-Fahrzeugpark (1983) - Foto: Lutz Bartoschek

Die ersten türkisfarbenen SWN-Busse ergänzen den roten VHH-Fahrzeugpark (1983) – Foto: Lutz Bartoschek

Als Jugendlicher fing er an zu fotografieren, zunächst nur in Lübeck – als die Ikarus-Busse kamen, auch in Neumünster. Irgendwann wollte er etwas über die Stadtbusgeschichte Neumünsters lesen – aber es gab nichts. „Nach einiger Zeit wurde mir klar, wenn du es nicht selber machst, macht es keiner“, so der Autor.

Also entstand 1990 „Und beinah fuhr die Straßenbahn…“. Durch diese Schrift kam die Verbindung mit der VHH in Bergedorf zustande (seine kindliche „Abneigung“ gegen die VHH war längst verflogen), die zur Stormarn-Broschüre, dann zur zweiten erweiterten Auflage des Neumünster-Heftes führte und über weitere kleinere Artikel das Interesse an der gesamten VHH-Geschichte weckte.

Immer wenn auf irgendeiner VHH-Dienststelle ein rundes Jubiläum ansteht, dann wird Lutz gerufen und er legt mit seinen Recherchen los. Die VHH-Betriebsstelle Kiel ist ihm genauso bekannt wie die Vorgänger des Stadtverkehrs Geesthacht. Trotzdem sucht Lutz immer Zeitzeugen, alte Unterlagen und Bilder und freut sich über Kontakte zu den alten VHH’lern.

Wer noch alte Fotos, Unterlagen oder anderes Historisches zu Hause liegen hat oder Lust hat, von “alten Zeiten” zu berichten, ist herzlich eingeladen, Lutz Bartoschek über die VHH zu kontaktieren (via E-Mail an mich unter rolf.westphalen@vhhbus.de).

Wer Lust hat, seine Erinnerungen an Neumünster beizusteuern, ist auch eingeladen, hier einen Kommentar im VHH-Blog zu hinterlassen.

Euer Rolf

>>> Gefällt dir der Beitrag? Teile ihn mit 2 Klicks bei Facebook, Twitter oder Google+

1 Antwort

  1. 28. Dezember 2015

    […] ⇒ Die letzte Fahrt mit der VHH in Neumünster […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.