Wie entstand der VHH-Elektrobus? Unser Experte Manni im Interview

Manfred („Manni“) Wittke ist bei der VHH der Fachmann für den neuen Elektrobus. Er war während der Fertigung des VHH-Busses bereits im Werk in Italien mit dabei, hat die Anlieferung und den Aufbau der Infrastruktur begleitet und hat auch die Busfahrerinnen und Busfahrer eingewiesen, die den E-Bus auf der Linie 48 fahren.

Unsere Auszubildende Aylin Poplicha hat Techniker Manni nun zum Interview getroffen und ihn zum E-Bus ausgefragt.


Hallo Manni, vielen Dank, dass du dir für uns einige Minuten Zeit nimmst. Bitte stell‘ dich doch mit einigen Worten kurz vor.

„Mein Name ist Manfred Wittke, ich bin seit Dezember 1989 bei der VHH, also jetzt im Dezember 25 Jahre. Ich habe als gelernter Kraftfahrzeug- Elektriker angefangen und zusätzlich in der Abendschule eine Weiterbildung zum Elektroniker gemacht. Jetzt bin ich für die Klimaanlagen und den ganzen Elektrobereich in den Fahrzeugen zuständig, weil ich Spaß an dem Thema Elektronik habe.“

Beim Besuch im April 2014 beim Herstellerwerk in Italien: Gitterrahmen des E-Busses auf einem Montagefahrgestell

Beim Besuch im April 2014 beim Herstellerwerk in Italien: Gitterrahmen des E-Busses auf einem Montagefahrgestell

 

Du hast unseren E-Bus schon vor der Auslieferung in Italien besucht. Warum?

„Ich war zwei Mal  in Italien beim Hersteller Rampini. Einmal als das Fahrzeug noch in der Rohbauphase war, sodass wir Einsicht  in Sachen bekommen  haben, die nachher verkleidet sind, so wie Kabel und Leitungswege. Dort haben wir auch eine Einführung in die Hochvolttechnik bekommen. Denn für uns ist es etwas Neues. Wie verhält sich das in dem Fahrzeug, wie lange hält die Batterie? Das zweite Mal war ich zur Abnahme in Italien, damit auch noch unsere Komponenten eingebaut werden konnten. Wie zum Beispiel ein Platz für die Tasche des Busfahrers  oder dass er die Kasse gut erreichen kann. Ich finde es richtig, dass wir in die Richtung Elektromobilität gehen, vor allem auch für die Umwelt. Wenn man schon so lange im Betrieb ist und die Entwicklung der Fahrzeuge mit ansieht, ist dies schon beachtlich.“

Der bereits beblechte Elektrobus auf Montageböcken im Werk von Rampini

Der bereits beblechte Elektrobus auf Montageböcken im Werk von Rampini

 

Vom Antrieb einmal abgesehen, hat die Technik des neuen VHH-Elektrobusses noch Ähnlichkeit mit seinen Diesel-Genossen?

„Die Bereifung und die Bremstechnik sind wie beim Diesel. Natürlich ist der Fahrantrieb anders, da hier mit hoher Spannung von bis zu 650 Volt gearbeitet wird. Da muss man schon aufpassen. Außerdem sind wir  weniger im mechanischen Thema drin weil der Verbrennungsmotor fehlt. Auch  der Partikel Filter und eine  Auspuffanlage fallen weg.“

„Getankt“ wird der Strom des E-Busses auf dem Betriebshof in Schenefeld an einer mobilen Säule oder an der festen Stromtankstelle am Bahnhof Blankenese. Der E-Bus hat eine Fahrspannung von 650 Volt. Beim Laden fließen hohe Ströme. Ist das nicht gefährlich?

„Die gesamte Spannung geht bis 650 Volt und beim laden an unserer Ladesäulen auf dem Hof sind es 40 Ampere die fließen und an der Schnell-Ladesäule in Blankenese bis zu 160 Ampere. Das ist schon viel Strom der da durch fließen kann und damit sollte man möglichst nicht in Berührung kommen.  Zudem es auch Gleichspannung ist. Da steckt viel Power dahinter.“

Der VHH-Elektrobus wird bei Rampini verkabelt und komplettiert

Der VHH-Elektrobus wird bei Rampini verkabelt und komplettiert

 

Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h scheint der Elektrobus nicht besonders schnell zu sein. Schafft er den Waseberg in Blankenese wirklich?

„Der wesentliche Teil auf der Linie sind 30er Zonen. Die 50 km/h  haben wir dafür, damit der E-Bus sich auf der Straße ganz normal bewegen kann.  Meiner Meinung nach reicht die Geschwindigkeit von 50 km/h für den Linienweg, wo dieses Fahrzeug eingesetzt wird, vollkommen aus.  Die 15 – 16 % Steigung des Wasebergs schafft er ohne Probleme. Man kann auch in der Steigung stehen bleiben,  ohne dass man Angst haben muss, dass man den Berg nicht schafft. In Italien haben wir auch schon den Test mit einer 22 % Steigung gemacht und auch das hat unser starker Elektro-Bus geschafft.“

Unverkleidet ragt die Lenksäule aus dem Armaturenbrett. Zahllose Kabel und Schläuche warten auf ihren Anschluss

Unverkleidet ragt die Lenksäule aus dem Armaturenbrett. Zahllose Kabel und Schläuche warten auf ihren Anschluss

 

Manni, wie seid ihr auf den Hersteller Rampini gekommen? Wie lief der Auswahlprozess?

„Es gibt nur wenig Hersteller, die ein Elektrofahrzeug  in dieser Größe  produzieren. Die Breite ist auch sehr entscheidend, da es in Blankenese doch sehr eng ist und mit seiner Breite von 2,20 m  kommt der E-Bus  wunderbar durch die Straßen.  Auch im Bereich der Elektronik  möchte man ein vernünftig solides Fahrzeug haben. Ich selbst habe mich in Italien vor Ort im Werk davon überzeugt wie dort gearbeitet wird. Und ich muss schon sagen, das haben sie super hingekriegt.“

Manni bei der Testfahrt des Rampini-Elektrobusses im Treppenviertel von Blankenese

Manni bei der Testfahrt des Rampini-Elektrobusses im Treppenviertel von Blankenese

 

Was muss in Sachen Infrastruktur noch geschehen?

„Auf dem Betriebshof in Schenefeld haben wir, da wir bis jetzt nur ein Fahrzeug haben, ausreichend Strom und Energie zur Verfügung um hier laden zu können. Für den eigentlichen Linienbetrieb in Blankenese  haben wir jetzt eine Ladesäule hingestellt. Wenn wir mehr von diesen Fahrzeugen bekommen, kann man die Touren dementsprechend  legen, dass immer genügen Zeit ist ein Fahrzeug zu laden. Mit der einen Ladesäule können wir also die komplette Linie bedienen. Auf dem Betriebshof in Schenfeld müssten wir mehr Ladegeräte anschaffen. Aber da wir auch Elektrogelenkbuse anstreben, wird das Thema Elektromobilität so oder so weiter angepackt.“

Danke für das Interview!

Aylin


Falls Ihr Fragen zum VHH-Elektrobus habt, hinterlasst uns gerne einen Kommentar – wir leiten alle Fragen an Manni weiter!

Unsere Auszubildende Aylin, die das Interview geführt hat, erzählt im VHH-Azubiblog übrigens von ihrer Ausbildung zur Kauffrau für Verkehrsservice. Hier gehts zum Beitrag

Fotos: Manfred Wittke / VHH

1 Antwort

  1. 28. September 2015

    […] Wie entstand der VHH-Elektrobus? Unser Experte Manni im Interview […]

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