Die Diskussion um das vorne Einsteigen im Bus

Es gibt Fahrgäste, die sind vom Vorneeinstieg im Bus mit Sichtkontrolle der Tickets genervt, weil sie lieber an allen Türen einsteigen würden. Andere finden das vorne Einsteigen im Bus richtig, weil sie sich denken: „Immerhin sinkt dadurch die Anzahl der Leute, die ohne Ticket fahren – denn die möchte ich definitiv nicht mitfinanzieren.“

Der HVV hält am Vorneeinstieg im Bus fest
Die einen sind genervt – den anderen macht es nichts aus. Der Vorneeinstieg im Bus sorgt jedenfalls immer wieder für Diskussionen

Den Vorneeinstieg im HVV gibt es jetzt schon seit drei Jahren – und er hat Wirkung gezeigt. Zwischenzeitlich konnte nicht nur die Schwarzfahrerquote im Busbereich gesenkt werden, auch die Pünktlichkeit der Busse konnte damit verbessert werden.

Aber wie kann es sein, dass die Busse durch den Vorneeinstieg pünktlicher fahren können? Dauert es nicht viel länger, wenn man an der Vordertür hintereinander einsteigt bzw. müsste es nicht theoretisch schneller gehen, wenn man alle Türen des Busses nutzen könnte? Wir haben dazu eine Kollegin gefragt, die seit zehn Jahren im Hamburger Westen als Busfahrerin unterwegs ist.

Christine Krüger ist seit zehn Jahren im Hamburger Westen als Busfahrerin unterwegs
Christine Krüger ist seit zehn Jahren Busfahrerin

Wie kann es sein, dass die Busse durch den Vorneeinstieg pünktlicher sind?

Christine Krüger: Vor der Einführung des Vorneinstiegs kam es vor, dass wir an den Haltestellen unnötig Zeit verloren haben. Wenn ich mit meinem Gelenkbus an die Haltestelle heranfuhr, öffnete ich alle Türen. Dabei wurde die Vordertür von den Fahrgästen meist ignoriert und alles drängte durch die hinteren Türen, wo sich Ein- und Aussteiger dann gegenseitig über die Füße liefen. Das kostete Zeit.

Das heißt, dass die Fahrgäste, die aussteigen wollen, jetzt nicht mehr den einsteigenden Fahrgästen in die Quere kommen…

CK: Genau. Im Ergebnis kann der Bus dadurch schneller von der Haltestelle abfahren und baut keine Verspätung auf.

Beim Vorneeinstieg gibt es aber auch Ausnahmen, oder?

CK: Ja, zum Beispiel für Kundinnen und Kunden mit Kinderwagen, Rollatoren oder Rollstuhl öffnet man als Fahrerin bzw. Fahrer natürlich die hintere Tür zum Einsteigen. Das hat sich mit den Jahren gut eingespielt. Wenn der Bus an die Haltestelle fährt, halten diese Fahrgäste dann meist schon ihre Fahrkarte hoch. Dann kann man die Sichtkontrolle des Tickets aus der Ferne machen und den Fahrgästen gleich die entsprechende Tür öffnen.

Hat sich aus deiner Sicht der Vorneeinstieg bewährt?

CK: Ja, auf jeden Fall. Wobei man als Fahrerin oder Fahrer auch Ausnahmen macht, wenn es einen besonders großen Fahrgastandrang gibt – zum Beispiel zur Hauptverkehrszeit. Dann kann man auch schon mal alle Türen öffnen. Das ist aber eben der Ausnahmefall, denn durch den Vorneeinstieg geht es ansonsten wie gesagt schneller.

Danke Christine!

Übrigens: Unsere Busfahrerinnen und Busfahrer nehmen beim vorne Einsteigen nur eine Sichtkontrolle der Fahrkarten vor. Es ist also keine Fahrkartenkontrolle im eigentlichen Sinn. Diese übernehmen nach wie vor die Teams der Fahrkartenprüfer, die täglich auf den VHH-Linien unterwegs sind.

Eure Angelika

4 Gedanken zu „Die Diskussion um das vorne Einsteigen im Bus

  1. Björn Antworten

    Im Interesse der ehrlichen Kunden ist diese Regelung meiner Meinung nach unverzichtbar. Es gibt einfach keinen sinnvollen Grund dagegen zu sein, es sei denn man will Schwarzfahren!!!
    Auch bei geringerem Fahrgastandrang werden leider all zu oft von Ihren Busfahrern alle Türen geöffnet, nach dem Motto: mir egal! Täglich zu beobachten z.B. am S-Bahnhof Klein Flottbek (Linie 21), Bahnhof Altona (insbesondere Linien 2 und 15, /bei der Linie 1 klappt das komischerweise ganz gut) oder am Schenefelder Platz.
    Da würde ich mir doch von Ihren Busfahrern etwas mehr Feingefühl für den ehrlichen Kunden wünsche.

    • Angelika Schoder Autor des BeitragesAntworten

      Hallo Björn,

      das stimmt, die Fahrerinnen und Fahrer sollten definitiv nur alle Türen öffnen, wenn es wirklich aufgrund der hohen Fahrgastanzahl nicht anders geht. Aus diesem Grund weisen wir zum einen noch mal verstärkt die Kolleginnen und Kollegen auf die Regelung des HVV hin, vorwiegend den Vorneeinstieg einzuhalten. Zum anderen bitten wir aber auch die Fahrgäste um Unterstützung. Es ist ja nicht nur in unserem bzw. im Interesse des HVV die Schwarzfahrerquote zu senken, sondern sollte auch jedem ehrlichen Fahrgast wichtig sein.

      Viele Grüße, Angelika vom Blog-Team

  2. Maniek S Antworten

    Wie der Name schon sagt: Es ist lediglich eine SICHTkontrolle. D.h., man kann alles mögliche vorzeigen und das Fahrpersonal nickt es ab.
    Was zu Anfang tatsächlich noch einige Schwarzfahrer abhielt, so stieg die Quote im Laufe der Zeit wieder an. Es hat sich schon lange rumgesprochen, dass diese „Sichtkontrolle“ eben alles andere als effektiv ist.
    Im übrigem: Im osteuropäischem Raum gilt das Gegenteil: Alle hinteren Türen dienen als Einstieg, vorne wird überwiegend nur ausgestiegen. Das erleichtert das Verlassen der Haltestelle ungemein.
    Und ein weiterer kleiner Tipp: Fahrkartenautomaten im Bus sorgen dafür, dass es keine ewige Wartezeiten gibt. Der Bus kann direkt nach dem Fahrgastwechsel die Haltestelle verlassen. Aber die deutschen lieben es ja komplizierter und sinnlos. 😉

    • Angelika Schoder Autor des BeitragesAntworten

      Hallo Maniek,

      nach unseren Erfahrungen im HVV sind die Sichtkontrollen effektiv, daher werden sie auch in Zukunft weiter beibehalten, zusammen mit dem Vorneeinstieg. Zudem setzen wir auch Fahrscheinkontrolleure ein, die sich die Tickets im Bus dann ganz genau anschauen.

      Viele Grüße, Angelika vom Blog-Team

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