Vom Blockfahrschein zum elektronischen Fahrscheindrucker

Habt ihr schon mal von der „Edmonsonn’schen Fahrkarte“ gehört? Und wusstet ihr, dass elektronische Fahrscheindrucker erst ab Ende der 1990er Jahre zum Einsatz kamen? In unserem aktuellen Blogbeitrag werfen wir einen Blick auf die Geschichte der Fahrscheindrucker…

 

Alles begann mit der Eisenbahn…

Am Anfang der Geschichte des Fahrscheindruckers stand die Eisenbahn. Zu Zeiten der Bergedorf-Geesthachter-Eisenbahn hatten alle Bahnhöfe der BGE, Vierländer Eisenbahn und der Hamburger Marschbahn Fahrkartenausgaben oder Verkaufsagenturen. Dort gab es Einzel-, Rück-, Wochen- und Monatskarten zu kaufen, sowie Sonntagsrückfahrkarten (ermäßigte Karte). Die Fahrkarten waren aus Pappe, sogenannte „Edmonsonn’sche Fahrkarten“, und wurden auf den Zügen durch das Zugpersonal mittels einer Lochzange entwertet.

Heute auf Flohmärkten heiß begehrt: Ein Stempel (li.), mit dem in Pappfahrkarten das aktuelle Datum geprägt wurde, und eine Schaffnertasche mit Galoppwechsler und Schaffnerzange (re.)

 

Der Fahrschein-Verkauf

Auch das Zugpersonal selbst verkaufte Fahrscheine (Blockfahrscheine aus Papier). Mit Einführung des Busbetriebs gab es zwischen Bus und Eisenbahn kombinierte Zeitkarten, die für beide Verkehrsmittel galten. Mit Stillegung der Bahnhöfe wurden die Fahrkartenausgaben geschlossen und neue Verkaufsagenturen eingerichtet, um im gesamten Omnibusverkehrsnetz einen Zeitkartenverkauf zu ermöglichen.

Der Busverkehr wurde vom Kraftfahrer und Schaffner durchgeführt. Die Schaffner verkauften Einzelfahrscheine und für nur einige wichtige Verbindungen auch Rückfahrscheine. Der Wert des Fahrscheinbestands betrug bei Schaffnern 1.750,- DM und bei Selbstkassierern (das gab es schon) 1.500,- DM. Die Fahrscheine mussten durch das Personal erworben werden und waren nur auf dem Bahnhof Bergedorf-Süd erhältlich.

Auswahl historischer Fahrscheine

Auswahl historischer Fahrkarten. Neben Pappfahrkarten und Fahrscheinen von Abreißblocks. Rechts oben ein Fahrschein aus dem Almex-Drucker, unten ein Fahrschein aus dem TIM-Drucker

 

Eine neue Drucker-Generation

Ab 1953 wurde das Zeitalter der mechanischen Fahrscheindrucker eingeläutet und die Almex-Drucker eingeführt. Statt vieler Fahrscheinsorten, die man blockweise in der Mappe mitzuführen hatte, wurde die Fahrkarte erst beim Kauf erzeugt, also gedruckt. Allerdings traute man anfangs der neuen Technik noch nicht. So hatte jeder Busfahrer einen zugeschweißte Tüte mit einem Satz „Notfahrscheine“ erhalten, die er auszugeben hatte, falls der Drucker unterwegs den Geist aufgeben würde.

Almex-Drucker (li.) wurden von 1953-1967 verwendet – TIM-Drucker (re.) waren noch bis 1998 bei der VHH im Einsatz

 

TIM-Drucker und elektronische Fahrkartendrucker

Mit Beginn des HVV-Gemeinschaftstarifes wurden die Almex-Drucker bei der VHH ab 1967 schrittweise von den TIM-Druckern abgelöst. Damit glich die VHH ihre Fahrscheine denen der Hochbahn an. Dort wurde der TIM-Drucker schon seit längerem eingesetzt und man erreichte so ein einheitliches Erscheinungsbild bei den Fahrkarten. Einziger Unterschied war, dass die Hochbahn mit Preisstufendruckern arbeitete, die VHH hingegen mit Druckern, die den tatsächlichen Fahrpreis anzeigten. Ein Unterschied, der später aber verschwamm, so dass auch bei der VHH vereinzelt „Preisstufendrucker“ verwendet wurden.

⇒ Video: Hier könnt ihr den TIM-Drucker in Aktion sehen

 

Fahrscheindrucker bei der PVG

Bei der Pinneberger Verkehrsgesellschaft (PVG), die 2012 in der VHH aufging, lebte der Almex-Drucker wesentlich länger, denn hier wählte man einen anderen Weg. Für die Linien, die im HVV betrieben wurden, setzte man den TIM-Drucker ein. Für die Linien außerhalb des HVV, die meist vom Betriebshof Elmshorn bedient wurden, setzte man auf den Almex-Drucker. Das hatte zur Folge, dass es bei der PVG einige Busse gab, die über zwei mechanische Fahrscheindrucker verfügten.

Der EFAD-Drucker (li.) löste 1998 bei der VHH die mechanischen Fahrscheindrucker ab, wurde dann aber vier Jahre später selbst vom ATRON-Drucker (re.) abgelöst

 

Die Zeiten ändern sich…

Ende der 1990er Jahre endete die jahrzehntelange Ära der mechanischen Fahrscheindrucker und sie wurden durch elektronische Fahrscheindrucker ersetzt. Bei der VHH wurde 1998 auf den EFAD (elektronischer Fahrscheindrucker) von INIT umgestellt. Bei der PVG entschied man sich damals für den ATRON-Drucker. Ab 2003 wurde dann auch bei der VHH nur noch der ATRON-Drucker eingesetzt.

Die elektronischen Fahrkartendrucker, die heute zum Einsatz kommen, kann man als Multifunktionsgerät bezeichnen. Diese Geräte sind nicht nur Kasse, sondern auch Bedienteil für den Funk, die Busbeschilderung und den Bordrechner mit angeschlossenem Betriebsleitsystem (RBL).

Euer Rolf

 

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