Gastbeitrag: Das längste Volksfest der Welt – Gefühlt ist immer Dom in Hamburg

Die Münchner haben mit ihrem Oktoberfest vielleicht das größte Volksfest der Welt. Aber dafür haben wir hier in der Hansestadt das wahrscheinlich längste. Ganze drei Monate im Jahr dauert der Hamburger Dom und ist damit etwas ganz Besonderes. Für den VHH-Blog schreibt Gastautorin Anika Meier über die Geschichte der bunten Buden auf dem Heiligengeistfeld und darüber, warum Instagrammer so fasziniert davon sind.


 

Anika Meier - Hamburger Dom
Morgens, wenn die Buden und Fahrgeschäfte auf dem Hamburger Dom noch nicht geöffnet haben, ist die beste Zeit für Fotos (Bild: Anika Meier)

 

Scheint so, als wäre immer Dom in Hamburg

Der Hamburger Dom, das größte Volksfest des Nordens, ist fast immer in der Hansestadt. Zumindest, wenn es nach den Nutzern des sozialen Netzwerks Instagram geht. Dort liest man unter den Bildern vom Dom das Bandwurm-Hashtag #seemslikeitsalwaysdominhamburg – auf Deutsch: Scheint so, als wäre immer Dom in Hamburg. Wer hier nicht wohnt, der denkt bei dem Begriff „Dom“ sicherlich: Natürlich, wo soll so eine Kirche auch hin? Ein Dom ist doch zu groß, um an einen anderen Ort transportiert zu werden. Aber wenn es sich um ein Volksfest handelt, ist so ein Dom eben doch sehr flexibel und im Grunde nicht immer da. Was anderswo Rummel, Kirmes, Jahrmarkt oder Messe heißt, nennt man hier in Hamburg eben Dom.

 

Anika Meier - Hamburger Dom
Die bunten Fahrgeschäfte locken nicht nur jedes Jahr hunderttausende Hanseaten an, sondern auch Instagrammer aus ganz Deutschland (Bild: Anika Meier)

 

Warum heißt der Dom eigentlich Dom?

Der Dom heißt, wie er heißt – hier hilft ein Blick in die Wikipedia –, weil der Name tatsächlich auf den Hamburger Mariendom am Speersort zurückgeht. Seinen Ursprung soll der Dom im 11. Jahrhundert haben, damals suchten Händler, Handwerker, Gaukler und Quacksalber dort Schutz vor Wind und Wetter. Nach dem Abriss des Doms im Jahr 1804 waren die Händler und Schausteller ohne festen Standort, bis ihnen 1893 ein neuer Platz auf dem Heiligengeistfeld zugeteilt wurde.

 

Anika Meier - Hamburger Dom
Der eine oder andere Hamburger schaut auch tagsüber auf dem Hamburger Dom vorbei, um dort spazieren zu gehen (Bild: Anika Meier)

 

Auf dem Heiligengeistfeld bewegt sich immer etwas

Weil das Volksfest heute drei Mal im Jahr für je einen Monat in die Stadt kommt und sie wieder verlässt, muss auf- und abgebaut werden – der Frühlingsdom, der Sommerdom und der Winterdom. So zieht sich die Zeit in die Länge, in der die Buden und Fahrgeschäfte auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg stehen; und wer in Hamburg wohnt, kann schnell den Eindruck haben, der Dom sei eigentlich nie wirklich weg. Schließlich bewegt sich fast immer etwas auf dem Heiligengeistfeld, vor dem Millerntor-Stadion, der Spielstätte der Kiezkicker vom FC St. Pauli.

 

Anika Meier - Hamburger Dom
Mindestens ein mal im Jahr besuchen viele Hamburgerinnen und Hamburger den Dom (Bild: Anika Meier)

 

#seemslikeitsalwaysdominhamburg

Das Hashtag, mit dem Instagram-Fotos verlinkt werden, hat sich die ehemalige Hamburgerin Hertje Brodersen überlegt, die auf Instagram als @hypercatalecta bekannt ist. Als sie noch in der Hamburger Schanze wohnte, fragte sie sich beim Überqueren des Heiliggeistfeldes oft, ob der Dom gerade erst war oder schon wieder ist. Und da Hertje mit diesem Gedanken nicht alleine ist und der Dom so fotogen ist wie der Hafen und die Elbphilharmonie, zieht es viele Instagrammer aus Hamburg, mittlerweile sogar aus ganz Deutschland, regelmäßig auf den Dom.

Da ist der Hamburger André Krüger, bekannt als @bosch, der den Dom am liebsten fotografiert, wenn die Rollläden noch unten sind, wenn alles still ist zwischen den Buden und Fahrgeschäften, wenn alles schön trist ist, wie er in seinem Blog erzählt. Da ist der Hamburger Kay Palapies, @nordisch_by_nature_, wie er auf Instagram genannt wird, der überall nach Pfützen sucht, in denen sich die Hansestadt spiegelt. Der Dom mit all seinen blinkenden Lichtern hat ein besonders schönes Spiegelbild. Und da sind natürlich die vielen Dombesucher, die Nachtschwärmer, die Mutigen, die sich hoch hinaustragen lassen und von oben auf das vergnügte Treiben am Boden blicken. Der Geruch von gebrannten Mandeln hängt in der Luft, selbst wenn man nur die Fotos vom Hamburger Dom, dem größten Volksfest Norddeutschlands, wie die Veranstalter sagen, auf Instagram durchschaut.

Anika Meier


Anika Meier ist Kunsthistorikerin und freie Autorin, privat bloggt sie bei artefakt – Blog für Kunst und Kritik.

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Wer jetzt selbst Lust bekommen hat, Fotos vom Dom bei Instagram zu posten: Vergesst das Hashtag #seemslikeitsalwaysdominhamburg nicht! Zum Heiligengeistfeld kommt ihr übrigens ganz bequem mit unserer MetroBus-Linie 3.

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